Dienstag, 25. Mai 2010

TEUFELSKREIS PSYCHE UND HAUT

In der Kosmetik versuchen täglich auf’s neue mit Cremes, Lotionen, Masken usw. Hautprobleme zu lösen. „Wahre Schönheit kommt von Innen“ sagen einige und unterstützen sogar mit Nahrungsergänzung von Innen. Natürlich haben wir Resultate vorzuweisen, denn wir können vieles auf diesem Weg erreichen.

Dennoch beschäftigt mich die Psyche am meisten. Nach langjährigen persönlichen Beobachtungen möchte ich sagen, dass es kein Haut-, Haar- oder Gewichtsproblem gibt, das nicht von der Psyche beeinflusst wird. Auch die Sprache spiegelt diesen Umstand wider: „das geht mir unter die Haut“, „das juckt mich nicht“ oder „das ist zum aus der Haut fahren“. Wir kennen es alle auch aus eigener Erfahrung: Bei Furcht bekommen wir eine Gänsehaut. Bei Scham erröten wir, und Angst treibt uns den Schweiß auf die Stirn.

Wo liegt aber im Körper das Kontrollzentrum dieser Abläufe? Das ist die winzig kleine Hirnanhangdrüse, die Hypophyse. Die Chinesen würden es vielleicht als den Wohnsitz von Yin und Yang bezeichnen. Wir nennen es unsere Seele, das Lachen und Weinen, oder einfach die Mutter aller Drüsen, die das Funktionieren aller anderen Drüsen beherrscht. Jeder Gedanke und jede Gefühlbewegung hat eine Wirkung auf unsere Drüsen. Unser Erfolg im Leben hängt davon ab, angenehme Persönlichkeit auszustrahlen, die jedoch von unseren Gedanken und dem Funktionieren der Drüsen im richtigen Verhältnis abhängt.

Furcht, Sorgen, ständige Überforderung, Trauer oder Enttäuschung sind direkte Feinde unseres Wohlbefindens. Geraten die Drüsen aus dem Gleichgewicht, kann es fatale Folgen haben. Zum Beispiel: geht von der Hypophyse eine Fehlinformation an den Hypothalamus (die „Fressdrüse“), bekommen wir entweder keinen Bissen mehr runter oder wir fangen an, ungezügelt alles in uns hineinzustopfen. Frusthungern – Frustessen.

Weiter zur Schilddrüse: Werden wir aus Frust dick oder magern wir ab? Das heißt, verbrennt die Schilddrüse übermäßig viel oder wenig? Zur Bauchspeicheldrüse: Behalte ich die Vitamine und wertvollen Sachen aus der Nahrung, oder scheide ich gerade diese aus? Am Ende stehen die Eierstöcke, das heißt hormonelles Chaos. Aber angefangen hat alles einmal im Kopf! Eben in dieser erbsengroßen Hypophyse, die in der Lage ist, dem ganzen Körper Energie zu geben. Sie entlädt gewisse Hormone, die eine wichtige Rolle für unseren Lebensverlauf spielen, direkt in den Blutstrom. So ist ein überaktiver Hirnanhang der Grund für riesenhaften Wuchs, ein passiver Hirnanhang für zwerghaften. Genauer betrachtet besteht der Hirnanhang aus einem vorderen und einem hinteren Lappen. Der vordere Lappen schüttet ein Hormon aus, das die Adrenalindrüsen steuert. Dazu gehört der Solarplexus, auch das Gehirn das Bauches genannt, und die Nebennierendrüse, auch Nebennierenrinde genannt. Durch Adrenalinausschüttung wird die Herztätigkeit angeregt. Außerdem bewirkt es bei plötzlicher Gefahr in uns Mut und Stärke. Dieselbe wichtige Absonderung bestimmt das Maß an Lebenskraft und Widerstand in unserem Körper, um Schäden durch Krankheiten abzuwenden. Das gleiche Hormon, das vom Vorderlappen produziert wird, wirkt auch auf die Eierstöcke. Es spielt eine wichtige Rolle in der Schwangerschaft und ist für eine normale Menstruation verantwortlich. Ein anderes Hormon verbindet sich mit Insulin, um den Kohlenhydratstoffwechsel, die Verdauung und Auflösung von Stärke und Zucke zu regulieren. Das Hormon, das vom rückwärtigen Lappen produziert wird, ist als Regler tätig und ist eine wichtige Substanz für die Muskelstärke, also auch des Herzmuskels, für einen normalen Herzschlag und zur Regulierung der Arterien.

Der Vollständigkeit halber sei noch die Milz erwähnt. Sie ist Lagerhaus für zusätzliches Eisen, das vom Blut benötigt wird. Außerdem bringt sie eine Substanz hervor, die die Peristaltik in den Gedärmen kräftig anregt und auf den Dünn- und Dickdarm wirkt. Bis hierher sind es schon viele Funktionen, die durch Stress und Sorge aus dem Gleichgewicht geraten können und alles gesteuert von einer einzigen Drüse!

Die Übersetzerrolle von innen nach außen übernimmt der Sympathikus bzw. Parasympathikus, also das autonome Nervensystem, das der Steuerung durch den Willen entzogen und höchstens indirekt zu beeinflussen ist. Beeinflussen können wir es zum Beispiel über die Aromatherapie und alle Massagetechniken, da sich die Nervenenden direkt unter der Hautoberfläche befinden. Aber auch ein gutes Diathesengespräch, bei der sich die Kundin in den Arm genommen und verstanden fühlt, trägt schon zum Wohlbefinden bei. Wir kennen dieses Erstgespräch normalerweise unter dem Namen „Anamnese“. Bei der Methode Brigitte Kettner wird der Begriff Diathese genannt, weil wir mit gezielten Fragen, wie zum Beispiel, ob die Kundin eher unter Morgenmüdigkeit oder Nachmittagsmüdigkeit leidet, feststellen, in welcher Diathese (1-5) sie sich befindet. Daraus lässt sich dann leichter ableiten, welche pflanzliche Nahrungsergänzung und homöopathische Mineralien wir geben sollten. Der erste Schritt ist getan auf dem Weg zu ästhetischer Gesundheit.

Es wäre heute dringender denn je nötig, die Sprache der Haut zu verstehen, denn Hautkrankheiten sind inzwischen weit verbreitet und nehmen zu. Krankheiten wie Neurodermitis, Psoriasis, Akne, Herpes, Kontaktekzem und Nesselsucht werden als „psychosomatische Dermatosen“ bezeichnet, weil sie somatisch gegeben, aber psychisch beeinflussbar sind. Außerdem sind sie meist genetisch veranlagt. Doch darüber, ob und wann die Krankheit ausbricht, wie sie sich manifestiert und wie lange sie andauert, entcheiden viele andere Faktoren mit. Dazu gehören Chemikalien, mechanische Hautreizungen und natürlich die Psyche. Ob psychische Probleme die Ursache oder die Folge von Hautkrankheiten sind, ist immer noch nicht geklärt. Doch ist es auch gar nicht so wichtig. Viel bedeutsamer ist es, die Wechselwirkung zwischen Psyche und Haut zu erkennen. Für uns ist es entscheidend festzustellen, welche Gefühle, Verhaltensweisen und Ereignisse auf die Erkrankung zurückwirken und sie verschlechtern oder verbessern.

Zusammenfassend und für die kosmetische Praxis möchte ich noch mal die Wichtigkeit der Diathese vor Behandlungsbeginn hervorheben: Denn nur, wenn ich den Menschen als Ganzes betrachte, mich in ihn hineinversetze und ihn als Individuum in den Mittelpunkt rücke, erziele ich wirklich überzeugende Resultate.

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